240
Jahre

22.07.2019

Der Moselfranke mit dem IPA

Er kommt zwar aus dem Land mit dem Reinheitsgebot, doch Braumeister Richard Reinart von der Sankt Galler Brauerei Schützengarten braucht mehr als Gerste, Hopfen und Wasser. Er pflegt Bierstile aus aller Welt und experimentiert gerne. (Coopzeitung vom 22.07.2019)

 

 

Das deutsche Reinheitsgebot, 1516 erstmals erlassen, schrieb vor, dass man zum Brauen nur Gerste, Hopfen und Wasser verwenden durfte. Grund war unter anderem, den Hunger zu bekämpfen, indem das Volk den Weizen nicht fürs Bierbrauen, sondern ausschliesslich fürs Brotbacken einsetzen durfte. Auch wenn das Reinheitsgebot in den letzten 500 Jahren mehrfach angepasst wurde, schränkt es die deutschen Brauer bis heute ein. «In der Schweiz darf ich viel mehr Rohstoffe einsetzen und damit experimentieren», erklärt Richard Reinart (43). So entstand das Gallus Old Style Ale der Brauerei Schützengarten mit Wacholderbeeren. «Das wäre in Deutschland so nicht erlaubt.» Und weil biermässig in Deutschland manches nicht möglich ist, hat es den Braumeister vor rund zwölf Jahren in die Schweiz verschlagen. Reinart kam in einer Zeit, als sich hier die Biervielfalt gerade zu entwickeln begann. Der Trend, dass Klein- und Kleinstbrauereien wie Pilze aus dem Boden schiessen, sei zwar überall festzustellen, aber in der Schweiz sei er besonders ausgeprägt, sagt Reinart. 1000 Brauereien soll es hierzulande geben. Wobei man hinzufügen müsse, schränkt er ein, dass man schon als Brauerei zählt, wenn man 400 Liter Bier herstellt – «des trink isch ja alleine!», witzelt Reinart. Der Mann mit dem moselfränkischen Dialekt und dem schelmischen Lächeln ist Diplom-Braumeister mit Universitätsabschluss und seit 2017 bei der Brauerei Schützengarten in St. Gallen tätig, inzwischen als technischer Direktor.

Bier kennt nur gute Jahrgänge
«Mit Geburtsjahr 1779 ist Schützengarten die älteste, noch aktive Brauerei der Schweiz», wie Reinart stolz betont. Sie stellt nicht weniger als 38 verschiedene Biere her, drei davon erhalten Kundinnen und Kunden auch bei Coop: das India Pale Ale, kurz IPA genannt, das Klosterbräu und das Gallus. Das Unternehmen ist nach wie vor selbstständig und in der Ostschweiz stark verwurzelt. Brauen ist ähnlich anspruchsvoll wie Wein keltern, erklärt Reinart. Im Unterschied zum Winzer habe der Brauer aber einen grossen Nachteil: Er kann nicht von guten oder schlechten Jahrgängen sprechen. «Vom Brauer erwarten die Kunden, dass er konstant gleichbleibende Qualität braut. Aber auch wir arbeiten mit einem Naturprodukt, das qualitativ und quantitativ mal besser und mal schlechter ausfällt», sagt Reinart.

In den Malztreber verliebt
Der Gerstensaft hatte es Reinart schon früh angetan. Aufgewachsen ist er als Bauernsohn in einem 320-Seelen-Dorf in der Eifel, in der Nähe einer Brauerei. Immer, wenn auf dem Hof eine Lieferung Malztreber ankam – Malztreber entsteht als Nebenprodukt beim Bierbrauen und ist ein hochwertiges Futtermittel für Kühe –, war der kleine Richard in der Nähe: «Ich roch diesen Malztreber unheimlich gern.» So war der Weg zum Brauer rein olfaktorisch vorgegeben. Und er war richtig: «Der Geruch des blumigen Hopfens, vermischt mit dem getreidigen Malz, diese süssen Gerüche, da geht mir heute noch das Herz auf», schwärmt Reinart und stellt sogleich klar: «Ich rieche mich natürlich nicht nur am Treber satt: Am meisten mag ich den Geschmack des fertigen Bieres!»

Zum Artikel der Coopzeitung

Quelle: Coopzeitung vom 22. Juli 2019

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